Flotter Dreier


Wie bei jedem anderen Projekt-Krad, stand auch bei diesem am Anfang die Frage nach seinem Ende. Also nach dem, was nach Abschluss der Arbeiten von der Hebebühne rollen sollte.


Die Parameter waren einfach und klar – genau wie das anvisierte Ziel: Eine pragmatische, dynamische Fahrmaschine. Nicht überkandidelt aber dennoch eigenständig. Klar und subtil, aber dennoch der Gestalt, dass sich der unbedarfte Betrachter am Kopf kratzt und sich fragt, was das eigentlich für ein Moped ist, vor dem er da steht.



Die üblichen Verdächtigen schieden damit bereits im Ansatz aus. Von den Vorgaben her landeten wir ziemlich fix bei Triumph. Die 1000er Dreizylinder sind eine hervorragende Wahl für den Landstraßenbetrieb und selbst frühe Baujahre mit einer zuverlässigen Einspritzanlage gesegnet. Die Kehrseite der Medaille ist jedoch, dass du eine Triumph bereits aus zwei Lichtjahren Entfernung als solche erkennen kannst. Die prägnanten geschwungenen Rahmen der Daytonas, Street-, Speed-Triple und Co. sowie die Art-typischen Einarmschwingen sind einfach zu charakteristisch und kollidierten somit mit dem zweiten Teil unseres Lastenheftes.



Erfreulicherweise hat Triumph zwischendurch ein paar Fehlversuche auf den Markt geworfen, deren Erfolglosigkeit sich aus der Abwesenheit der oben genannten typischen Merkmale ableitet. Fluch und Segen liegen oft dicht beieinander. Schlecht für Triumph, gut für uns. Die Sprint RS war der vergebliche Ansatz der Brexitianer, zum Milleniumstart den Markt der Supersportler (RS!) mit einem verkleideten Bolzen den zu infiltrieren. Hat natürlich nicht geklappt. Ernsthafte Umbauten gibt es so gut wie keine, denn die meisten greifen aus denselben Gründen, aus denen wir sie vermeiden lieber zu den prägnanten Geschwistern der Plastikbude. Wenn überhaupt, dann werden die RS original gefahren.

Aufbau Slide-Video:




Dabei hat sich die Mopete technisch absolut nichts vorzuwerfen. Der Motor drückt ab Standgas wie kein Vierzylinder der Hubraumklasse und ist dazu auch noch extrem genügsam (tatsächliche haben wir es im Normalbetrieb kaum geschafft, auf der Landstraße mehr als fünf Liter durch die Düsen zu pressen). Die 98PS (offen sind es 120) sind darüber hinaus versicherungsgünstig, was die RS in Kombination zu einem echten Sparschwein macht. Und so haben wir nicht lange gezögert und uns ein gleichermaßen originales, wie hässliches gelbes Entlein in die Badewanne geholt, die wir vor dem Zerlegen ausgiebige Probe gefahren sind um sichergehen zu können, dass der Zober die Mühen auch Wert ist.



Fahrwerkstechnisch erhielt der Schlingel gleich zu Beginn Nachhilfeunterricht durch einen USD-Umbau sowie eine moderat verlängerte Schwinge. In dieser tummelt sich nun eine 6-Zoll breite Felge (Serie 5,5“), die bei Bedarf bequem mit einem 190er oder 200er bestückt werden kann. Platz ist dank des modifizierten Zwei-Armers mehr als ausreichend vorhanden.



Der neu gewonnenen Nackigkeit (die OEM-Plaste haben wir natürlich gleich zu Beginn entsorgt – unsere Religion verbietet das Fahren mit vermummten Motorrädern) wurde mit einem maßgeschneiderten Bodywork Rechnung getragen. Es macht einfach keinen Sinn eine extraordinäre Basis zu wählen und diese dann mit Standard-Einheitsbrei zu domestizieren. Die Maske ist eine aufwändige Einzelanfertigung auf HD-Basis, die nicht nur optisch, sondern auch anatomisch auf einen LED-Scheinwerfer sowie den eingelassenen Digital-Tacho angepasste wurde. Ganz viel ist von dem Ausgangsteil nicht übrig geblieben.



Der Höcker steht dem in nichts nach. Er ist ebenfalls für das konkrete Projekt angefertigt worden, ruht auf einem aus poliertem Edelstahl geschweißten Heckrahmen und gewährt einem IXIL-Endtopf Unterschlupf, welcher mittels High-Up-Rohr am 3in1-Krümmer angeschlossen ist. Das so geschürfte zusätzliche Volumen und die Mehr-Rohrlänge tun dem Motor spürbar gut – vor allem in Kombination mit der nun deutlich verkürzten Endübersetzung.



Selbstredend ist eine hauseigene Phalanx aus Tastern und passender E-Box verbaut und löst die Playmobil-Schaltanlage ab. Das Fahrlicht schaltet sich gar automatisch ein und erfordert keinerlei Aufmerksamkeit seitens des Piloten. Der Kabelbaum wurde nebenbei auf strikte Diät gesetzt. Auf der Superbike-Gabelbrücke tummelt sich ausschließlich italienische Geschmeide (und zwar das echte Zeugs, nicht der nachgemachte Zinnober vom China-Mann!). Standesgemäßer Licht-Adel übernimmt ergänzend die Illumination an Bug und Heck. Ihro Gnaden stammen allesamt aus der schwarzen Rhombus-Familie von Kellermann. Wir wissen, was sich geziemt.

Details Slide-Video:




Explizites Augenmerk haben wir beim Aufbau wie immer auf langfristige Wartungs- und Schrauber-Freundlichkeit gelegt. Das gesamte Bodywork ist mit insgesamt gerade einmal sieben Schrauben befestigt und dank Schnellverschlüsse für die Leitungen locker unterhalb einer Minute mit lediglich zwei Imbus-Größen abnehmbar. Ein vollwertiger, externer Pluspol macht Batterieausbauen überflüssig. Selbstverständlich ist der komplette Umbau legalisiert und eingetragen. Zwei vollgeschriebene Scheine zeugen von dem Unterfangen. Alleine dieser Akt hat einen halben Tausender verschlungen. Ja, das schmerzt! Das Beste kommt zum Schluss: wir sind nämlich bereit, uns Bedrohung mit vorgehaltenem Bargeld zur Herausgabe des Krads zwingen zu lassen. Für spartanische € 4850,- wechselt das Krad den Besitzer. Die Reifen strotzen mit vollem Profil, die Bremsen sind frisch gemacht, die Gabel ist komplett überholt und sämtliche Öle und Flüssigkeiten sind während des Umbaus gewechselt. Ein niegelnagelneuer LiFePo4 neuester Generation steckt ebenfalls im Gebälk. Kaufen, Anmelden, Knopf drücken, Fahren - kein wenn, kein aber. 100% alltagstauglich und versteht sich sowohl auf Langstrecke als auch ernsthaftes Kurvenbügeln. Ein zuverlässiges, unterhaltsgünstiges Stück individueller Fortbewegung mit Bühnenqualitäten.

360° Slide-Video:




Interessenten melden sich einfach per E-Mail via: rs@fighters.bike bei uns. Den kompletten Umbau findet ihr in den Alben dieser Build-Off-Serie. Transparenter geht es nicht. Bitte nur ernstgemeinte Anfragen – für eben solche nehmen wir uns im Gegenzug gerne Zeit incl. Besichtigung und Probefahrt. Keine Reifentreter, Schlauschnacker oder Berufsprobefahrer – diese filtern wir aus.

TECHNISCHE DATEN
Marke/Modell/Bj.: Triumph Sprint RS 955i, Modell 2000
Motor: 98PS, Einspritzung
Wasserkühler: Oversize-Racing, gebogen mit ST3-Lüfter
Kühlflüssigkeitsbehälter: Aluminium mit Füllstands-Anzeige
Ölkühler: Triumph Sprint
Krümmer/Auspuff: 3in1 mit High-Up-Rohr, IXIL XTreme Underseat-Endtopf
Heckrahmen: Edelstahl poliert
Schwinge: Strassenmeister Motorcycles, 10cm-over, mit Automatik-Kettenspanner und zweiteiligem VA-Kettenschutz
Gabel: Upside-Down Hayabusa/TL 1000 S mit Wilbers Federn, angepasste Dämpfung, komplett überholt, voll einstellbar, Gabelcover
Gabelbrücken: TL 1000 S, oben Superbike
Lenker, Hebel, Spiegel: Rizoma
Griffe: Pro-Grip
Räder:
vorn: 3.5x17
hinten: 6x17
Bereifung: Continental
vorn: 120/70ZR17
hinten: 180/55ZR17
Bremse:
vorn: Triumph mit Stahlflex-Leitungen
hinten: EBC Contour mit Carbon-Leitung
Tank: Pumpen-Chassis stark modifiziert, selbstdichtende Ganzmetall-Schnellverschlüsse, Dash-Leitungen, Tankdeckel modifiziert und poliert
Fußrasten: LSL, Träger poliert
Höcker/Sitzbank: RW-Racing modifiziert und angepasst, mit passendem Sitzpolster
Fender: Alu
Armaturen/Schalter: FIGHTERS Taster/Schalter-Armaturen
E-Box: FIGHTERS Sonderanfertigung, Automatik-Licht
Batterie: LiFePo4-Akku
Instrumente/Anzeigen: Tacho in Maske eingelassen, LED-Kontrollleuchten-Cluster in VA-Gehäuse, vollwertige Tankanzeige in VA-Gehäuse
Maske/Scheinwerfer: Sonderanfertigung auf HD-Basis mit LED-Scheinwerfer
Brems-/Rücklicht, Blinker vorne und hinten: Kellermann Rhombus Dark
Sonstiges: Nissin Bremspumpe, Elektrik geliftet, neuer Kabelbaum